Was sind somatische Funktionsstörungen?
Definition, Abgrenzung und wie sich funktionelle Beschwerden von strukturellen Erkrankungen unterscheiden.
Definition
Von somatischen Funktionsstörungen spricht man, wenn körperliche Beschwerden über längere Zeit bestehen, belastend sind und sich durch organische Befunde nicht oder nicht hinreichend erklären lassen. Entscheidend ist nicht allein das Fehlen eines Befundes, sondern das Vorhandensein eines typischen Beschwerdemusters und der damit verbundenen Belastung.
Funktion statt Struktur
Bei strukturellen Erkrankungen ist Gewebe verändert – etwa ein Bruch, ein Tumor, eine Entzündung. Bei funktionellen Störungen ist die Struktur weitgehend intakt, die Regulation aber verändert: Reize werden anders verarbeitet, Muskeln reagieren anders, das vegetative Nervensystem stellt sich anders ein. Ein Vergleich: Die Hardware ist in Ordnung, die Abstimmung der Software stimmt nicht.
Diagnostische Begriffe
- ICD-11 verwendet die Kategorie Bodily distress disorder (Körperliche Belastungsstörung).
- DSM-5 beschreibt die Somatic Symptom Disorder, bei der positive psychologische Merkmale (z. B. ausgeprägte Sorgen um die Symptome) zur Diagnose gehören.
- Ältere Begriffe wie „somatoforme Störung“ oder „psychosomatische Beschwerden“ sind noch verbreitet, gelten aber teilweise als überholt oder missverständlich.
Häufige Syndrome
Zu den funktionellen Syndromen zählen unter anderem das Reizdarmsyndrom, die Fibromyalgie, der chronische Spannungskopfschmerz, funktionelle Herzbeschwerden und anhaltender Schwindel (persistent postural-perceptual dizziness).
Was funktionelle Beschwerden nicht sind
Sie sind nicht „nur psychisch“, nicht eingebildet und keine Ausschlussdiagnose zweiter Klasse. Es handelt sich um eigenständige, gut beschreibbare und behandelbare Beschwerdebilder.
Quellen
ICD-11 (WHO); DSM-5 (APA); S3-Leitlinie „Funktionelle Körperbeschwerden“ (AWMF Reg.-Nr. 051-001).
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.