Diagnostik
Wie eine gute Abklärung abläuft – Positivdiagnose statt endloser Ausschlussdiagnostik.
Positivdiagnose statt Ausschluss
Funktionelle Beschwerden werden heute nicht mehr allein durch Ausschluss anderer Erkrankungen diagnostiziert. Es gibt typische Muster, die eine positive Diagnose erlauben: charakteristischer Verlauf, Symptomwechsel, Zusammenhang mit Belastung, unauffällige Basisdiagnostik, typische klinische Zeichen.
Bestandteile der Abklärung
- Ausführliches Gespräch: Beschwerdeverlauf, Auslöser, Alltag, Belastungen, bisherige Behandlungen, eigene Erklärungsmodelle
- Körperliche Untersuchung zur Einordnung und zur Beruhigung
- Gezielte Basisdiagnostik (Labor, ggf. EKG, bildgebende Verfahren) entsprechend den Beschwerden
- Screening auf begleitende Depression, Angst- oder Traumafolgestörungen
Was vermieden werden sollte
Wiederholte, nicht indizierte Untersuchungen können Ängste verstärken, Zufallsbefunde produzieren und die Beschwerden aufrechterhalten. Ebenso ungünstig sind Aussagen wie „Sie haben nichts“ – sie lassen Betroffene mit ihrem realen Leiden allein.
Ein gutes Erklärungsmodell
Hilfreich ist eine Erklärung, die die Beschwerden ernst nimmt, sie verständlich macht und Handlungsmöglichkeiten eröffnet – zum Beispiel über das Bild eines überempfindlich eingestellten Warnsystems, das echte Signale erzeugt, aber zu empfindlich reagiert.
Wann weitere Abklärung nötig ist
Bei neuen Symptomen, deutlicher Verschlechterung, Warnzeichen (Gewichtsverlust, Fieber, neurologische Ausfälle, Blutungen) ist eine erneute ärztliche Untersuchung erforderlich. Eine funktionelle Diagnose schließt eine spätere organische Erkrankung nicht aus.
Quellen
S3-Leitlinie „Funktionelle Körperbeschwerden“ (AWMF); Stone J. et al., Functional disorders: diagnosis and communication, Practical Neurology.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.